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Goosmann,
Paul 12.2.1906
- 21.5.1992
Paul
Goosmann wurde am 12.2.1906 in der Neustadt geboren. Er begann seine Ausbildung zum Volksschullehrer
als vierzehnjähriger Seminarist im Jahre 1920. Damit gehörte er zum
letzten
Jahrgang des Bremer Lehrerseminars, das 1926 geschlossen wurde.
Schon als Seminarist besuchte er die Veranstaltungen des Bremischen Lehrervereins und organisierte
sich politisch, zunächst in der „Wandernden Jugend", dann in der „Sozialistischen
Arbeiterjugend" (SAJ). 1927 bekam er eine Stelle an der Bremer Landschule am Lehester Deich
und absolvierte dort sein 2. Lehrerexamen.
In seinen Erinnerungen schildert Gosmann seine Ausbildungszeit in der Schule
am Lehester Deich:
Die
erste Stelle
Die erste feste Stelle bekam
ich Ende 1927 in der Schule am Lehester Deich, einer zweiklassigen
Dorfschule.
Dort hatte ich die unteren vier Jahrgänge. Es war so etwas Ähnliches
wie eine Referendarzeit. Es war keiner da, der uns half. Wir waren
Lehrer mit der ersten
Lehrerprüfung, unsere zweite Prüfung mussten wir nebenbei machen.
Die Schule am Lehester Deich hatte nur einen Schulleiter und
mich. Der Schulleiter war auch nicht so, dass er mir viel hätte zeigen
können. Er war ein ganz ordentlicher Lehrer. Anfangs bin ich immer
mit dem Fahrrad von der Gastfeldstraße nach Kuhsiel/Kreuzdeich
gefahren. Bei gutem Wetter fuhr ich oft freihändig. Erst später habe
ich mir ein Motorrad angeschafft, auf Abzahlung. Ohne Führerschein
bekam ich die Erlaubnis, den Kuhgrabenweg zu befahren. Ich war der
einzige Motorradfahrer der Stadt Bremen, der dort fahren
durfte. Eine Autobahn gab es noch nicht. Es waren noch sämtliche
Vogelarten da, Flussvögel,
Sandvögel und Sumpfvögel. Die Kiebitze schwirrten um mich herum, und
alles freute sich. Die Kinder warteten dann schon auf mich, weil ich
immer sehr pünktlich war. Der Schulleiter war meistens noch nicht
fertig. Er sagte dann manchmal zu mir: Paul, komm man rein und
frühstücke noch mit
uns. Dann frühstückten wir bis 8.15 oder 8.20 Uhr und gingen danach
erst in die Klassen. Das gab es in der Stadt nicht, dort fing man ganz
pünktlich an. Folgende Geschichte habe ich am Lehester Deich erlebt:
Die Kinder, die dorthin kamen, konnten noch nicht richtig
Hochdeutsch. Sie sprachen Platt. Ich konnte ja nun von meinen Großeltern
her auch Platt. Als am 3. Tag die Erstklässler kamen, sagte ich: „Hüde
morgen schüllt ji'mi verteilen, wo dat so to Huus togeiht, befor ji
so nah Schoole kaamt." Alle erzählten dann ganz munter, aber
Didi Gartelmann, der saß da, mit so einer Schnute. Ich fragte ihn:
„Na Didi, worum vertellst du denn
nix?" - „Och", seggt he, „wat is denn dor to vertelln,
dat is doch allns selbsverständlich un jimmer datselbige." -
„Na, die Anderen erzählen doch auch, denn tu du das man auch."
-„Na gut. Erst kummt Mudder runner um soß, un seggt opstahn, näch,
un denn, wenn Mudder dat seggt, denn treck ick mien Nachthemd
ut, un denn" - er stutzt und zögert - „denn treck ick mi de
Feddern ut den Moors, dat Inlett is twei." Da lachte die ganze
Klasse, und er sagte: „Dor gifft dat nix to lachen. Mudder het nu
keene Tied to neien, eers in veertein Dagen, wenn de Fröhjohrsinsaat
vorbi is."
Im ersten Schuljahr waren 7 oder 8 Schüler, als ich die Klasse
übernahm. Die gleiche Zahl war in den anderen drei Jahrgängen. Das
waren also rund 30 Schüler.
Ende
1928 wurde er in das Wahlkollegium der
Versuchsschule an der Helgolander Straße berufen.
Im
Juli 1933 wurde er von den Nationalsozialisten als Lehrer auf der Grundlage des Gesetzes zur
Wiederherstellung des Berufsbeamtentums mit der zweiten
Entlassungswelle vom Dienst suspendiert.
Nach
seiner Entlassung schlug er sich zunächst als Handelsvertreter durch, konnte aber bald wieder im
Sportverein Bremen 1860 und an einer Privatschule als Lehrer tätig
werden. 1940 wurde er mit anderen
Kollegen zusammen wieder in den Öffentlichen Dienst übernommen und ging 1941 mit einer Klasse in
die Kinderlandverschickung (KLV) nach Österreich. 1942 wurde er eingezogen
und an der Ostfront eingesetzt. 1944 verlor er bei einem Angriff sein linkes.
Im September 1945 kehrte er nach
Bremen zurück.
Hier
entwickelte er zusammen mit Klaus Böttcher die Konzeption für eine
kurzfristige neue Lehrerausbildung im „Pädagogischen Seminar"
und war dort einer der ersten beiden Dozenten. 1946 wurde er zum
Vorsitzenden des „Vereins Bremer Lehrer und Lehrerinnen" (VBLL)
gewählt und beteiligte sich in dieser Funktion 1947/48 aktiv an der
Gründung der Bundesorganisation der Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft. Bis 1955 war er deren Landesvorsitzender in Bremen. Von
1955 bis 1959 trat er als Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft für
den Erhalt der Schulreform von 1949 ein, die in dieser Zeit unter
starkem politischen Druck stand und teilweise revidiert wurde.
Von
1945 bis 1974 war Paul Goosmann als Dozent und später als Professor
in der Lehrerbildung tätig, im Pädagogischen Seminar, an der Pädagogischen
Hochschule und an der neugegründeten Universität Bremen. Auch nach
seiner Pensionierung blieb er in verschiedenen politischen Funktionen,
u.a. als Vorsitzender der Volksbühne und der Landesschiedskommission
der GEW.
Paul
Goosmann wohnte von 1950 bis 1965 in der Riensberger Str. 102. Über
mehrere Jahre war Paul Goosmann für die SPD Mitglied im Beirat
Horn-Lehe. Als im Sommer 1983 die Schulgeschichtliche Sammlung Bremen
mit ihrer Arbeit begann, und bald darauf ein Förderverein gegründet
wurde, waren sich die daran Beteiligten schnell einig, dass Paul
Goosmann Vorsitzender werden sollte. |