Lilienthaler Heerstraße, im 13. Jahrhundert auf eigens dafür erworbenem Grund und Boden vom Kloster Lilienthal angelegt und später mit Eichen gesäumt. Verbindungsweg nach Borgfeld, Lilienthal. Zunächst breiter Weg genannt und erstmalig in der Karte von N. Meyer 1671 benannt. 1745 erklärten sich die Lilienthaler bereit, Kosten für die Anlage der Steinwege beizusteuern, wenn dazu das Brückengeld an der Borgfelder Brücke entfiele. 1806 wird mit der Erhöhung und Verbesserung des Weges Begonnen (61/375). 1828-30 wurde der breite Weg zur Chaussee ausgebaut (10). 1829 wurde Wegegeld erhoben, und in Lehesterdeich ein Einnehmerhäuschen errichtet (10).  Ein alter Borgfelder erzählt, wie er mit einem roten Omnibus von Bremen nach Borgfeld kam:

"Um 4 Uhr nachmittags geht es bei der Wirtschaft von Dubby los. Man fährt durch die Schleifmühle bis zum Einnehmerhaus in Schwachhausen, wo zum erstenmal Wegegeld gezahlt werden muß. In Horn wird bei der Wirtschaft von Klatte gehalten, die auf einer Warf liegt und deren Strohdach hohe l.indenbäume beschatten. Auch das alte Homer Pfarrhaus ist noch mit Stroh gedeckt. Weiter geht es an der Windmühle und an der Wirtschaft von Michaelis vorbei, bis wir am Lehesterdeich beim Wirt Bremermann haltmachen. Auch hier ist Wegegeld zu zahlen, und wenn die Torfbauern morgens früh auf ihrer Fahrt nach Bremen hier durchkommen, haben sie das Wegegeld im Mund, um es nicht zu verlieren. Kurz vor Borgfeld müssen wir noch einen Schlagbaum passieren, dann gelangen wir dahin, wo sich links das Wirtshaus von Schleper (jetzt „Zum Vogt") befindet und rechts der Schuhmacher Lameter wohnt."  (10), Zeit unbekannt.

Bei den Bremern und Lilienthalern erhielt die Lilienthaler Heerstraße den Namen "Langer Jammer", ein Name der sich bis heute erhalten hat.

1964
Der „Lange Jammer" muss breiter werden!
Wenn auch die Straßen des Wohngebietes mit den Häusern etwa gleichzeitig fertig werden, wird sich für die Hauptzubringerstraße, die Lilienthaler Heerstraße, wahrscheinlich bald ein Verkehrschaos entwickeln, das sich in Stauungen usw. auswirken wird. Die zweite Fahrbahn für diese Straße muss schnell gebaut werden! Geplant ist, in der Mitte einen Trennstreifen zu lassen und die schönen Eichen aus der Franzosenzeit damit zu retten.
(Wümme-Zeitung 22.5.1964)

1965
Ortsamtsleiter Könsen befürchtet Verkehrs-Katastrophe und erklärt den Ausbau der Lilienthaler Heerstraße zur vordringlichsten kommunalen Aufgabe. (Ostbremer Rundschau 7.5.65)

1966/67 
wurde die Lilienthaler Heerstraße vierspurig ausgebaut (Bericht).

1967
Keine höhere Geschwindigkeit auf der Lilienthaler Heerstraße

Gegen eine, von einem Borgfelder Einwohner beantragte, Geschwindigkeitserhöhung auf der Lilienthaler Heerstraße, sprachen sich Polizei, Ortsamt und der Bau- und Verkehrsausschuss des Beirates aus. Obwohl die Lilienthaler Heerstraße vierspurig ausgebaut ist - die sogenannte jetzt noch fehlende Verschleißdecke wird in diesem Sommer aufgetragen -, soll diese Straße nicht zur Rennstrecke werden. Eine Heraufsetzung der Geschwindigkeit auf beispielsweise 70 Kilometer würde nur einen geringen Zeitgewinn von wenigen Sekunden bringen. Durch eine in absehbarer Zeit vorzunehmende Beampelung, und die Schaltung auf grüne Welle wird den Verkehrsfluss ohne Verzögerung regeln. Bei einer Geschwindigkeitserhöhung ist auch die Gefahr gegeben, dass die Kraftfahrer sich nicht in den engen Schlauch der Borgfelder Heerstraße einfädeln können. Vom Lehesterdeich an verläuft die Fahrbahn nur noch zweispurig. (Ostbremer Rundschau 10.3.1967)

Zur anderen Straßenseite

04
Brandt


(Foto: K. u. H. Brandt)

114
Huthoff, Bernd Polizeibeamter

142

Rohrländer, Otto Oberlandjäger
142a
Ehemaliges Gemeindebüro 

Auszug aus dem Adessbuch von 1936
 

142aPlan1.jpg (126106 Byte) 142aPlan2.jpg (115520 Byte)
Umbaupläne für das Gemeindebüro (30er Jahre), Zustand 2006

174/176
Behnemann (1907) Restaurant und Gaststätte; Traue Hotel "Deutsche Eiche"

  
In den 60er Jahren und Ende 2005

178
Das "Grüne Haus" oder die "Markante Ecke". 2005 verkauft und umgebaut.
Mai 2006 Baustopp und Rotlicht Gerüchte.


das "Grüne Haus" vor dem Umbau 2005, und während der "nicht endenden" Umbauphase 2006

Kein Bauschild, keine Aktivitäten - aber viele Gerüchte. Seitdem an dem grünen Eckgebäude Lilienthaler Heerstraße / Autobahnzubringer Horn-Lehe herumgewerkelt wird, machen allerlei Vermutungen im Ortsteil die Runde. „Da kommt ein Bordell rein", berichten Taxifahrer, weshalb sich auch schon der Beirat mit dieser Nutzungsvariante beschäftigt hat. Mehr

Weser Kurier 23.5.2006

180 - 184
Die drei Häuser werden mit dem Bau des Autobahnzubringers abgerissen (Bebauungsplan 1804 von 1984). Im Haus 180 wohnte der damalige Gemeindevorsteher Heinrich Gefken; bis 1933 beherbergte es das Ortsamt Lehester Deich.


180-182 in den 30er Jahren und 1984 vor dem Abriss (in diesem Bild links die "Markante Ecke" 178)

 


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186 

194 - 232 Einfamiliendoppelhäuser Bau- und Siedlungsgenossenschaft Volkswohl (Architekt Franz Kölbel1924/25)

238 - 356 "Rote Siedlung"

Wegen des ursprünglich sichtbaren hellen Rotsteins wurde die Siedlung im Volksmund auch "Rote Siedlung" genannt. Um einen Hof sind drei Gebäude mit insgesamt 12 Wohneinheiten gruppiert

Bau der "Volkswohnungen" an der Lilienthaler Heerstraße

Die Wohnungsnot zwischen den Weltkriegen zwang die Nationalsozialisten aus ideologischen und bevölkerungspolitischen Gründen den Wohnungs- und Eigenheimbau zu unterstützen. Von der "Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft" (Vorgänger der GEWOBA) wurden von 1935-1945 zahlreiche Siedlungen teilweise in Kooperation mit dem Flugzeughersteller "Focke Wulf" und der "Deschimag AG Weser" (Vorläufer der AG Weser) erstellt.
Die Ziele der Wohnungsbaupolitik im Nationalsozialismus zeigen die folgenden Zitate:

"Die eigentumsrechtliche Bindung an die Scholle ist weder falsch verstandene Bauernromantik der Städter, noch eine zweitrangig zu behandelnde nur finanzielle Frage, sie stellt der Familie die besten Aufzuchtbedingungen für ihre Kinder."

"Für die Auswahl der Mieter können aber in erster Linie nur erbgesunde, kinderreiche Familien, d. h. solche mit mindestens 3 Kindern, die z. Zt. in ungenügenden oder ungesunden Wohnungen wohnen, vorgeschlagen werden." G1 S. 92

Dass diese Ziele so nicht immer erreicht werden konnten belegen die folgenden Dokumente:

AUSZUG AUS EINEM STIMMUNGSBERICHT DER GEHEIMEN STAATSPOLIZEI MAI 1937:

"Die Auswahl der Siedler in der neuen Stadtrandsiedlung Lilienthaler Heerstraße entspricht in moralischer und politischer Hinsicht nicht den Anforderungen, die man bei der Auswahl hätte treffen müssen. Nicht nur das die Gemeinde Lehesterdeich, sowie die N.S.V. durch Unterstützungen enorm belastet werden, auch die politischen Leiter beklagen sich darüber, dass die bei der Mehrzahl der Siedler in keiner Weise Verständnis finden. Bei der Auslese der Siedler ist es vorgekommen, dass ein Halbjude, Asoziale und Eltern, deren Kinder Hilfsschüler sind, als Bewerber nicht zurückgewiesen wurden."

HIERZU DIE STELLUNGNAHME DES SENATORS FÜR ARBEIT, TECHNIK UND WOHLFAHRT:

"Es ist immer wieder derselbe Irrtum, dass die Volkswohnungen als Siedlung angesprochen werden. Die Bestimmungen des Herrn Reich- und Preußischen Arbeitsministers sagen ausdrücklich, dass neben der Kleinsiedlung auch die Errichtung billigster Mietwohnungen (Volkswohnungen) zu fördern ist. (..) Die Wohnungen an der Lilienthaler Heerstraße sind als Volkswohnungen gebaut und vermietet, wobei allerdings bei den Mietern für die Erdgeschosswohnung die Eignung für Gartenbau und Kleinviehhaltung nachgefragt wurde. In fürsorgerischer Beziehung ist in jedem Falle das Fürsorgeamt befragt, in krimineller Beziehung der Erkennungsdienst und in politischer Beziehung die Gestapo begrüßt worden. (..) Leider war nicht bekannt, dass der Vater des ausgewählten Bewerbers Walter Reuter ein Jude, während die Mutter arisch ist. Reuter ist ein Verwandter des Judenviehhalters Fränkel. Diese Feststellungen sind nachträglich von der GEWOBA gemacht worden. Die GEWOBA hat deshalb bereits gegen Reuter ein Räumungsurteil erwirkt; er muss am 1.10. d.J. ausziehen. Wenn ein Teil der Mieter der Volkswohnungen an der Lilienthaler Heerstraße, nachdem sie nun meinen fest untergebracht zu sein, nicht im Sinne unserer Zeit aufführt, so ist dies bedauerlich. Das Amt für Wohnung und Siedlung glaubte jedoch, dass die Familien, die bisher im tiefsten Elend hausen mussten, nunmehr durch Zuweisung einer gesunden Wohnung die Segnungen des Dritten Reiches anerkennen würden und dadurch für die Politik unseres Führers gewonnen werden könnte. Wenn dies nicht der Fall ist, bedarf es nur einer Meldung der betreffenden Familien und es wird veranlasst, dass sie die Wohnungen wieder räumen müssen. Einen Vorwurf kann aber das Amt für Wohnung und Siedlung nicht treffen, denn es hat genau den Anordnungen des Herrn Reichs- und Preußischen Arbeitsministers für die Errichtung von Volkswohnungen die Familien in der Hauptsache aus den Kellerwohnungen und sonstigen Elendsquartieren herausgeholt."

(41) Die Bremer Siedler

 Auch wenn der Ursprung Siedlungen an der Lilienthaler Heerstraße und Im Deichkamp in beiden Fällen die Bekämpfung der Wohnungsnot und die Schaffung einer Möglichkeit eigener Versorgung ist, ist der gesellschaftspolitische Hintergrund beider Siedlungen höchst unterschiedlich. Während die Siedlung im Deichkamp auf genossenschaftlicher Eigeninitiative beruhte, ist spiegelt die Siedlung an der Heerstraße die staatlich verordnete Wohnungsbaupolitik wieder. Damit verbunden zeigten die Häuser an der Heerstraße auch keinerlei Individualität, während die Häuser im Deichkamp bei gleicher Grundstruktur individuelle Gestaltung aufweisen, die durch unterschiedliche Giebelformen oder individuelle Türsteine zum Ausdruck kommt. Auch das Element der Gruppierung mehrerer Häuser zu einer Einheit spiegelt die unterschiedlichen Ansätze wieder. Während im Deichkamp durch die Vierergruppierung für eine kostengünstige Bauweise steht, die gleichzeitig das verspringen der Gären zu größerer Breite ermöglicht, steht hier der Gruppengedanke im Vordergrund, der durch die hofmäßige Anordnung von jeweils drei Gebäuden stark betont wird. Auch ist es Ziel in den "Volkswohnungen" möglichst viele Einwohner unterzubringen. So sind in jedem Gebäude 4 Wohnungen zwischen 30 und 50 m² untergebracht, die aus jeweils einer Wohnküche und 2 Zimmern besteht; das Klosett befand sich außerhalb der Wohnungen in einem Nebengebäude. Auch die Sozialstruktur unterschied sich wesentlich von der Siedlung im Deichkamp (ca. 50% Angestellte und Beamte, sowie Meister und Ingenieure); sie bestand beim Erstbezug aus 46% ungelernten, 42% gelernten Arbeitern sowie 9% Angestellte und öff. Dienst.

Berichtet wird, dass in den Wohnungen dann auch Familien mit vielen Kindern einzogen. In der Regel waren es 5-6 Kinder pro Familie, das heißt, dass pro Haus bis zu 30 Personen lebten, pro "Hofgemeinschaft" also 90 Personen. Da die Kinder meist klein und im schulpflichtigen Alter waren, musste auch für die notwendige Beschulung  gesorgt werden. Da die Räume der "Alten Schule" am Lehester Deich diesem zusätzlichen Andrang nicht gewachsen waren, wurde 1936 (?) die "Holzschule" am Lehester Deich gebaut, in der die Kinder von Klasse 1-4 gemeinsam unterrichtet wurden, bis sie zur "Alten Schule" wechselten. (Bericht von Herrn Früchtnicht, Jg. 1932, Anwohner im Leher Feld)

362-376 Siedlungshäuser


Die Siedlungshäuser zwischen der "Roten Siedlung" und dem Lehester Deich, vom Lehester Deich aus gesehen (Foto: Klinker)

 

382 Meyerdirks Kolonialwaren, später Heinrich Kruse (Anzeige 1972)

Kruse_1972.jpg (4794 Byte)


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Gaststätte Bremermann/ab 1971 Schildkröte/Palmyra(bis 2007)  (Lehester Deich 81, Gaststäte gegründet 1683)

 
Gaststätte Bremermann um 1900                    Gaststätte Palmyra 2005-2007

nach dem Kriege "Zum alten Krug", Gaststätte mit Tanzveranstaltungen, Inh. Georg Lange 


               
Georg Lange                      Anzeige in "Das Horn" 1955


9.9. 1971 Eröffnung des Restaurants "Die Schildkröte"
2005 Eröffnung des syrischen Spezialitätenrestaurant "Palmyra", Anfang 2008 geschlossen, im März als italienisches Restaurant wiedereröffnet

Die nördliche Grenze Horn-Lehes an der Lilienthaler Heerstraße:

 
"Zum alten Krug" Erweiterung der Lilienthaler Heerstraße (Ende der 60er) Das Hollerfleet 2007
(Fotos: Heimatarchiv Borgfeld, M. Koppel)

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